| Vorhaben: | Die Abteilung Biometrie und Epidemiologie des Deutschen
Diabetes-Forschungsinstituts führt seit 2002 eine prospektive Studie zur Inzidenz des Diabetes mellitus
in Nordrhein-Westfalen in der Altersgruppe unter 35 Jahren durch. Ferner wird das klinische Bild bei
Manifestation, insbesondere die Schwere der Stoffwechselentgleisung, untersucht, um potentielle
Unterschiede in verschiedenen Altersgruppen aufzudecken. Die Daten dienen gleichzeitig als Basis für
eine Prüfung bzw. Quantifizierung des Zusammenhangs zwischen Diabeteserkrankung und familiärer
Diabetes-Anamnese. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projektes untersucht auf
dieser Datenbasis den Zusammenhang zwischen Diabeteserkrankung und soziostrukturellen Faktoren. Durch
Einbindung der Inzidenzstudie in das europäische Verbundprojekt EURODIAB ACE lässt sich die
Diabetesinzidenz in Populationen mit unterschiedlichem genetischen Hintergrund vergleichen.
| Studienleiter:
| Dr. med. Dipl.Math. J. Rosenbauer | Dr. med. Dr. P.H. A. Icks Prof. Dr. G. Giani Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf Abt. Biometrie und Epidemiologie Auf'm Hennekamp 65 40225 Düsseldorf Tel.: 0211/3382-278 / 354 / 258 | Fax: 0211/3382-677 Email: rosenb@ddfi.uni-duesseldorf.de icks@ddfi.uni-duesseldorf.de giani@ddfi.uni-duesseldorf.de Studiendauer:
| Beginn 2002, zunächst für 5 Jahre
| Hintergrund:
| Weltweit wurde in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche
Zunahme der Inzidenz des Typ 1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter beobachtet (3% pro Jahr, Onkamo
1999, 3,4% pro Jahr, EURODIAB ACE Study Group 2001). | Die Gründe für diesen Inzidenzanstieg sind bisher unbekannt. Es besteht aber die Hypothese, dass sich der beobachtete Inzidenzanstieg im Kindes- und Jugendalter zumindest teilweise durch eine Verschiebung der Typ1-Manifestation von der Altersgruppe über 15 Jahre in die Altersgruppe unter 15 Jahre erklären lässt. Dafür spricht, dass in einigen Regionen das mittlere Manifestationsalter des Typ 1-Diabetes in der Altersgruppe unter 15 Jahre in den letzten Dekaden gefallen ist. Um diese Hypothese zu überprüfen, sind Studien zur Inzidenz des Diabetes in der Altersgruppe über 15 Jahre erforderlich. Die wenigen vorliegenden Untersuchungen kommen hinsichtlich der Inzidenzentwicklung des Typ 1-Diabetes im jungen Erwachsenenalter und einer möglichen Verschiebung der Manifestation des Typ 1-Diabetes in jüngere Lebensjahre zu widersprüchlichen Resultaten. Nach den bisherigen Ergebnissen ist auch in Deutschland in den 90er Jahren von einem Anstieg der Inzidenz des Typ 1-Diabetes unter 5 bzw. 15 Jahren auszugehen. Aktuelle Daten zur Inzidenz des Typ 1-Diabetes oberhalb von 15 Jahren fehlen für Deutschland. Im bisherigen Studienverlauf wurde ferner bei einem überraschend hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen eine Ketoazidose bei Manifestation beobachtet. Aus diesem Grund wird die Erhebung des klinischen Bildes bei Manifestation fortgesetzt. Auch das Auftreten des Typ 2-Diabetes im Jugend- und jungen Erwachsenenalter wird als zunehmendes Gesundheitsproblem diskutiert. Da aber aktuelle Zahlen zur Neuerkrankungsrate des Typ 2-Diabetes in dieser Altersgruppe fehlen, soll die Studie auch hierzu Daten bereitstellen. Ziele:
| 1. Schätzung und Vergleich der Inzidenz des Typ 1-Diabetes in den
Altergruppen 0-14 (Fortsetzung der seit 1993 durchgeführten Erfassung) und 15-34 Jahre | 2. Schätzung und Vergleich der kumulativen Inzidenzen bis 15 bzw. 35 Jahre sowie deren zeitliche Entwicklung zur Untersuchung der Frage einer möglichen Verschiebung des Manifestationsalters 3. Beurteilung zeitlicher und räumlicher Verteilungsmuster der Inzidenz des Typ 1-Diabetes 4. Untersuchung des klinischen Bildes bei Manifestation in Abhängigkeit vom Alter 5. Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Diabeteserkrankung und familiärer Diabetesanamnese sowie soziostrukturellen Faktoren 6. Abschätzung der Inzidenz des Typ 2-Diabetes bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen Falldefinition:
| Diagnose eines Typ 1- oder Typ 2-Diabetes mellitus vor
Vollendung des 35. Lebensjahres
| Logistik:
| Die primäre Datenerhebung erfolgt über pädiatrische und internistische
Abteilungen, Diabetes-Schulungszentren und diabetologische Schwerpunktpraxen. Monatlich erhalten
diese Einrichtungen von der Studienzentrale eine Meldekarte, auf der die Anzahl aller beobachteten
Neuerkrankungen eines Typ 1- oder Typ 2-Diabetes mellitus bei Kindern, Jugendlichen und jungen
Erwachsenen vor dem 35. Geburtstag im Erhebungsmonat einzutragen ist. Zu jeder gemeldeten
Neuerkrankung erhalten die betreffenden Kliniken und Schwerpunktpraxen einen Kurzfragebogen, auf
dem die Erfassung einiger demographischer, klinischer und laborchemischer Daten aus der Krankenakte
des Patienten erbeten wird. Ferner werden die betreffenden Einrichtungen gebeten, ein von der
Studienzentrale vorbereitetes Anschreiben an die Patienten bzw. deren Eltern weiterzuleiten, in dem
diese zur Teilnahme an der Studie eingeladen werden. Dem Anschreiben liegt ein Fragebogen zur
diabetesbezogenen Eigen- und Familienanamnese und zur sozialen und familiären Situation des
Patienten bei. Bei Zustimmung zur Teilnahme sind die Patienten bzw. Eltern gebeten, den Fragebogen
zurückzusenden. | Als ergänzende sekundäre Datenquellen dienen die jährliche Befragung von pädiatrischen, internistischen und allgemeinmedizinischen Praxen sowie die Qualitätsdokumentation DPV (Prof. Holl, Universität Ulm). Datenschutz:
| Entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen werden die
Daten in Kliniken und Praxen anonym erfasst. Über die jeweils behandelnde Klinik bzw. Praxis
werden die Patienten bzw. deren Eltern um die Studienteilnahme gebeten. Gleichzeitig mit dieser
Einladung werden die Patienten bzw. deren Eltern auf die Freiwilligkeit ihrer Studienteilnahme
hingewiesen, insbesondere auf die Möglichkeit, eine gegebene Einwilligung jederzeit zu
widerrufen. | Für Rückfragen stehen die Studienleiter jederzeit gern zur Verfügung. | |||||||
Seitenanfang