Diabetes mellitus bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Nordrhein-Westfalen
Stand: 17. 3. 2003


Vorhaben: Die Abteilung Biometrie und Epidemiologie des Deutschen Diabetes-Forschungsinstituts führt seit 2002 eine prospektive Studie zur Inzidenz des Diabetes mellitus in Nordrhein-Westfalen in der Altersgruppe unter 35 Jahren durch. Ferner wird das klinische Bild bei Manifestation, insbesondere die Schwere der Stoffwechselentgleisung, untersucht, um potentielle Unterschiede in verschiedenen Altersgruppen aufzudecken. Die Daten dienen gleichzeitig als Basis für eine Prüfung bzw. Quantifizierung des Zusammenhangs zwischen Diabeteserkrankung und familiärer Diabetes-Anamnese. Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Projektes untersucht auf dieser Datenbasis den Zusammenhang zwischen Diabeteserkrankung und soziostrukturellen Faktoren. Durch Einbindung der Inzidenzstudie in das europäische Verbundprojekt EURODIAB ACE lässt sich die Diabetesinzidenz in Populationen mit unterschiedlichem genetischen Hintergrund vergleichen.
Studienleiter: Dr. med. Dipl.Math. J. Rosenbauer
Dr. med. Dr. P.H. A. Icks
Prof. Dr. G. Giani
Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf
Abt. Biometrie und Epidemiologie
Auf'm Hennekamp 65
40225 Düsseldorf
Tel.: 0211/3382-278 / 354 / 258
Fax: 0211/3382-677
Email: rosenb@ddfi.uni-duesseldorf.de
icks@ddfi.uni-duesseldorf.de
giani@ddfi.uni-duesseldorf.de
Studiendauer: Beginn 2002, zunächst für 5 Jahre
Hintergrund: Weltweit wurde in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche Zunahme der Inzidenz des Typ 1-Diabetes im Kindes- und Jugendalter beobachtet (3% pro Jahr, Onkamo 1999, 3,4% pro Jahr, EURODIAB ACE Study Group 2001).
Die Gründe für diesen Inzidenzanstieg sind bisher unbekannt. Es besteht aber die Hypothese, dass sich der beobachtete Inzidenzanstieg im Kindes- und Jugendalter zumindest teilweise durch eine Verschiebung der Typ1-Manifestation von der Altersgruppe über 15 Jahre in die Altersgruppe unter 15 Jahre erklären lässt. Dafür spricht, dass in einigen Regionen das mittlere Manifestationsalter des Typ 1-Diabetes in der Altersgruppe unter 15 Jahre in den letzten Dekaden gefallen ist. Um diese Hypothese zu überprüfen, sind Studien zur Inzidenz des Diabetes in der Altersgruppe über 15 Jahre erforderlich. Die wenigen vorliegenden Untersuchungen kommen hinsichtlich der Inzidenzentwicklung des Typ 1-Diabetes im jungen Erwachsenenalter und einer möglichen Verschiebung der Manifestation des Typ 1-Diabetes in jüngere Lebensjahre zu widersprüchlichen Resultaten.
Nach den bisherigen Ergebnissen ist auch in Deutschland in den 90er Jahren von einem Anstieg der Inzidenz des Typ 1-Diabetes unter 5 bzw. 15 Jahren auszugehen. Aktuelle Daten zur Inzidenz des Typ 1-Diabetes oberhalb von 15 Jahren fehlen für Deutschland. Im bisherigen Studienverlauf wurde ferner bei einem überraschend hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen eine Ketoazidose bei Manifestation beobachtet. Aus diesem Grund wird die Erhebung des klinischen Bildes bei Manifestation fortgesetzt. Auch das Auftreten des Typ 2-Diabetes im Jugend- und jungen Erwachsenenalter wird als zunehmendes Gesundheitsproblem diskutiert. Da aber aktuelle Zahlen zur Neuerkrankungsrate des Typ 2-Diabetes in dieser Altersgruppe fehlen, soll die Studie auch hierzu Daten bereitstellen.
Ziele: 1. Schätzung und Vergleich der Inzidenz des Typ 1-Diabetes in den Altergruppen 0-14 (Fortsetzung der seit 1993 durchgeführten Erfassung) und 15-34 Jahre
2. Schätzung und Vergleich der kumulativen Inzidenzen bis 15 bzw. 35 Jahre sowie deren zeitliche Entwicklung zur Untersuchung der Frage einer möglichen Verschiebung des Manifestationsalters
3. Beurteilung zeitlicher und räumlicher Verteilungsmuster der Inzidenz des Typ 1-Diabetes
4. Untersuchung des klinischen Bildes bei Manifestation in Abhängigkeit vom Alter
5. Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Diabeteserkrankung und familiärer Diabetesanamnese sowie soziostrukturellen Faktoren
6. Abschätzung der Inzidenz des Typ 2-Diabetes bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Falldefinition: Diagnose eines Typ 1- oder Typ 2-Diabetes mellitus vor Vollendung des 35. Lebensjahres
Logistik: Die primäre Datenerhebung erfolgt über pädiatrische und internistische Abteilungen, Diabetes-Schulungszentren und diabetologische Schwerpunktpraxen. Monatlich erhalten diese Einrichtungen von der Studienzentrale eine Meldekarte, auf der die Anzahl aller beobachteten Neuerkrankungen eines Typ 1- oder Typ 2-Diabetes mellitus bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen vor dem 35. Geburtstag im Erhebungsmonat einzutragen ist. Zu jeder gemeldeten Neuerkrankung erhalten die betreffenden Kliniken und Schwerpunktpraxen einen Kurzfragebogen, auf dem die Erfassung einiger demographischer, klinischer und laborchemischer Daten aus der Krankenakte des Patienten erbeten wird. Ferner werden die betreffenden Einrichtungen gebeten, ein von der Studienzentrale vorbereitetes Anschreiben an die Patienten bzw. deren Eltern weiterzuleiten, in dem diese zur Teilnahme an der Studie eingeladen werden. Dem Anschreiben liegt ein Fragebogen zur diabetesbezogenen Eigen- und Familienanamnese und zur sozialen und familiären Situation des Patienten bei. Bei Zustimmung zur Teilnahme sind die Patienten bzw. Eltern gebeten, den Fragebogen zurückzusenden.
Als ergänzende sekundäre Datenquellen dienen die jährliche Befragung von pädiatrischen, internistischen und allgemeinmedizinischen Praxen sowie die Qualitätsdokumentation DPV (Prof. Holl, Universität Ulm).
Datenschutz: Entsprechend den datenschutzrechtlichen Bestimmungen werden die Daten in Kliniken und Praxen anonym erfasst. Über die jeweils behandelnde Klinik bzw. Praxis werden die Patienten bzw. deren Eltern um die Studienteilnahme gebeten. Gleichzeitig mit dieser Einladung werden die Patienten bzw. deren Eltern auf die Freiwilligkeit ihrer Studienteilnahme hingewiesen, insbesondere auf die Möglichkeit, eine gegebene Einwilligung jederzeit zu widerrufen.

Für Rückfragen stehen die Studienleiter jederzeit gern zur Verfügung.


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letzte Änderung am 6. 1. 2004